Das Leben kleben

 

Irgendwann war Schluss mit dem Kleben.

Schon weil die Auswahl der Bilder, die die Kleberei wert sind, immer schwieriger wurde. Zwei Wochen Frankreichurlaub 1.400 Fotos, geschossen mit der Digitalkamera.
Wenn´s drauf passt, warum nicht? Die Chips haben ja auch immer mehr Fassungsvermögen.

Das Knipsen wird zum Reflex. Man kann ja hinterher löschen. Tut man aber häufig erstmal nicht. Was heute nach dem Urlaub übrig bleibt, ist kein Fotoalbum säuberlich beklebt, auch keine fünf Fototüten die noch auf das Einkleben warten.
Viel mehr wartet ein Wust von Bildern in Computerordnern, die irgendetwas mit „Fotos“ heißen. Der neue Pappkarton, nur noch unübersichtlicher, weil sich die Anzahl der Fotos verhundertfacht hat.
Wer soll da noch bitte die besten 50 raussuchen fürs Klebefotoalbum?

 

Was bleibt, sind die alten Familienfotoalben, die schwerer, gebundenen Fotoalben der Großeltern, in denen Fotos noch einen gezackten Schmuckrand haben und sich hinter dünnen halbdurchsichtigen Trennseiten Seite für Seite entblättern. Es sind geschätzte Familienschätze einer anderen Zeit, Erinnerungen zum Anfassen.
Was wir der nächsten Generation dagegen hinterlassen werden, sind zugemüllte Festplatten, voller Schnappschüsse, die nur für den Bedeutung haben, der sie selbst aufgenommen hat. Bilder, die sich niemand außer uns selbst später noch anschauen wird, weil es einfach zu viele sind. Keine Erinnerungen zum Anfassen, sondern Erinnerungen zum Löschen.

Dabei gibt es sie doch noch, die guten alten Fotoalben. Auch Fotoecken und Klebestifte werden weiter hergestellt. Warum also nicht ausmisten, reduzieren, der Masse die Klasse zurück geben. Wer Bilder daraufhin betrachtet, ob sie das Einkleben in einem Fotoalbum wert sind, wird die Zahl seiner Urlaubsfotos rasch von jenseits der Tausendermarke auf unter 50 reduzieren können. Oder sogar 30. Genug für ein kleines Fotoalbum. Eines, das die Chance hat, zu überdauern
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cpa